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A10

Schrift und Bild in der griechischen Plastik: Exemplarische Untersuchung am Beispiel Athens und Olympias von der Archaik bis in die Kaiserzeit

 

aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Teilprojektleiter Jun. Prof. Dr. Nikolaus Dietrich
akademischer Mitarbeiter Dr. Johannes Fouquet

ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

akademische Mitarbeiterin Corinna Reinhardt, M.A.

 

 

 

Projektbeschreibung

Das Teilprojekt verbindet durch die Analyse von Schrift im/am Bild in der griechischen Plastik den text-anthropologischen Ansatz des SFB 933 mit bildwissenschaftlicher Methodik. Gegenstand der Untersuchung sind Inschriften an griechischen statuarischen Monumenten in ihrer Entwicklung von den Anfängen der griechischen Plastik bis in die römische Kaiserzeit. Das Projekt verfolgt dabei nicht das Ziel vollständiger Materialvorlage, sondern ist komparatistisch auf den Vergleich der unterschiedlichen und sich diachron verändernden Bezugnahmen von Inschrift und Statue ausgerichtet. Im Sinne exemplarischer Fallstudien konzentriert sich die Untersuchung auf zwei archäologisch und epigraphisch gut erforschte topographische Kontexte, deren reicher Befund an schrifttragenden statuarischen Monumenten sich jeweils auf den gesamten betrachteten Zeitraum erstreckt: die Polis Athen und das Heiligtum von Olympia.

Euthydikos-Kore mit Inschrift auf dem Rundkapitell, um 500 v. Chr. (Abgusssammlung Heidelberg)

Im Rahmen der im Bereich der klassischen Altertumswissenschaften seit mindestens zwei Jahrzehnten intensiv betriebenen Erforschung des Verhältnisses von Text und Bild reagiert das Teilprojekt insbesondere auf drei Desiderate:

  1. Die sich auf einem theoretisch hohen Niveau abspielenden Debatten zu Text und Bild zeichnen sich oft durch eine starke Orientierung an antiken Texten und entsprechende Materialferne aus. Die Arbeit im Teilprojekt soll demgegenüber ihre Fragestellungen aus materiellen Befunden von Geschriebenem im/am Bild und ihrer nahsichtigen Analyse beziehen, ohne gleichwohl diese theoretischen Debatten aus den Augen zu verlieren.
  2. Dort, wo das Verhältnis von Text und Bild dennoch befundnah erforscht worden ist, stand v.a. Schrift in der der griechischen Vasenmalerei im Vordergrund. Das Teilprojekt nimmt sich demgegenüber den statuarischen Denkmälern als Schriftträgern an.
  3. Die Erforschung derselben wurde in der Vergangenheit stark durch die disziplinäre Trennung von antiker Plastikforschung (Klassische Archäologie) und Epigraphik (Alte Geschichte) behindert. Das Teilprojekt soll beide Wissensgebiete bezüglich der betrachteten Kontexte Athen und Olympia zusammenbringen.


Die Untersuchung ist an vier übergreifenden Problembereichen orientiert:

  1. dem Status der Schrift im/am Bild und der Frage nach Kontinuum oder kategorialer Differenz zwischen Schrift und Bild;
  2. Sinn und Bedeutung im Geschriebenen im/am Bild in ihrem Verhältnis zum ikonographischen Gehalt des figürlichen Bildes;
  3. dem Schreiben in der Produktion von Bildern und den Fragen nach der Identität des Schreibers und des ‚Bildners‘ und nach der zeitlichen Stellung des (Be)schreibens im Prozess der Bildkonzeption und –herstellung. Damit beleuchtete das beantragte Teilprojekt in der zweiten Förderphase primär eine produktionsästhetische Perspektive auf schrifttragende statuarische Monumente.
  4. In der nun laufenden letzten der ist ein vierter Problembereich hinzugetreten, welcher den zuvor genannten Fokus auf das Schreiben in der Produktion von Bildern um einen rezeptionsästhetischen Ansatz ergänzt, indem nach den Modalitäten des Lesens von Inschriften durch den Betrachter gefragt wird: wie dieses im Zusammenwirken mit dem Betrachten des Bildanteils statuarischer Monumente funktioniert; wie dieses unter den Bedingungen eines mobilen, bloß flanierenden oder aber um das Monument sich herumbewegenden Betrachters vorzustellen ist; inwieweit die Wahrnehmung der Inschrift zwangsläufig mit dem Lesen derselben einhergehen muss oder ggf. auch ein bloßes Betrachten als Schriftbild ‚ausreichen’ kann. Schließlich soll auch nach der Rezeption der Statueninschriften in der longue durée gefragt werden, mit Pausanias’ kaiserzeitlichen Beschreibungen von jahrhundertealten Statuen und ihren Inschriften in Athen und Olympia.

Übergreifendes Erkenntnisziel ist ein Verständnis statuarischer Monumente, welches durch eine Fokussierung auf die materiale Präsenz von Geschriebenem an griechischen Statuen die sowohl forschungsgeschichtlich bedingte, wie in der modernen Kontrastierung von Text und Bild systematisch vorgezeichnete Scheidung beider Medien überwindet.

Vom 3. bis 6. April 2019 hat das Teilprojekt unter internationaler Beteiligung eine Tagung zum Thema „Schrift und Bild in der griechischen Plastik“ organisiert. An verschiedenen Beispielen beschrifteter griechischer Plastik von der Archaik bis in die römische Kaiserzeit wurde dabei das vielfältige Spektrum des wechselseitigen Zusammenwirkens von Geschriebenem und Bildern näher beleuchtet. Die Publikation in Form eines Tagungsbandes ist in Vorbereitung.

Publikationen

  • Dietrich, Nikolaus/Fouquet, Johannes/Reinhardt, Corinna (im Erscheinen), „Schreiben auf statuarischen Monumenten. Aspekte materialer Textkultur in archaischer und frühklassischer Zeit“, MTK 29.
  • Dietrich, Nikolaus (im Druck), „Archaic grave-monuments: body or stele? Monumental commemoration, figuration and inscription“, in: J. Barringer u. F. Lissarrague (Hgg.), „Images at the Cross-Roads: Meanings, Media, Methods“, Edinburgh.
  • Dietrich, Nikolaus, Rez. zu: „C. M. Keesling, Early Greek Portraiture. Monuments and Histories" (Cambridge 2017), in: Bonner Jahrbücher 127, 470–474.
  • Dietrich, Nikolaus (2018), „Das Attribut als Problem. Eine bildwissenschaftliche Untersuchung zur griechischen 45 Kunst“, Berlin 2018 [u.a. zu Inschriften im/am Bild].
  • Fouquet, Johannes (2018), Rez. zu: „F. Queyrel u. R. von den Hoff (Hgg.), La vie des portraits grecs. Statues- portraits du Ve au Ier siècle av. J.-C.: usages et re-contextualisations (Paris 2017)“, in: Revue des études anciennes 120, 221–224.
  • Fouquet, Johannes, „Mensch oder Heros? Zu einem wiederverwendeten Kriegerrelief des 4. Jh. v. Chr. aus Tegea“, in: Archäologischer Anzeiger 2018.1, 137–151.

Veranstaltungen

  • Internationale Tagung „Schrift und Bild in der griechischen Plastik“, Heidelberg, 03.–06.04.2019
  • Bilateraler Workshop mit dem Berliner SFB 980 in Zusammenarbeit mit den TP’s A09 und B09: „‘Aus dem Rahmen gefallen’. Unkonventionelle Materialisierungen von Text/Geschriebenem/Wissen“, Heidelberg 19.10.2018
  • Workshop „GLAM-on-Tour-Programm der Wikipedia Deutschland e. V.“ im Antikenmuseum der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem TP Ö (4.-5.10.2016)

 

Teilprojekte der 3. Förderperiode

A01 A02 A03 A05 A06 A08 A09 A10 A11 A12 B01 B04 B09 B10 B13 B14 B15 C05 C07 C08 C09 C10 INF Ö2 Z

 

 

abgeschlossene Teilprojekte

A01 A03 A04 B02 B03 B06 B07 B11 B12 C01 C02 C03 C04 C06 IGK Ö1

 

 

Mitglieder des SFB

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