AG 9 Episteme und Text

Ansprechpartner: Maximilian Haas

Die Arbeitsgruppe „Was ist ein Text? Zur Episteme der Philologie“ beschäftigt sich mit der Frage, welchen spezifischen Beitrag die Philologie als „theoretische Einstellung“ zur Materialitätsdebatte beitragen kann. Konkret hat sie es sich zum Ziel gesetzt, den Zusammenhang von Materialität und Sinn im Rahmen einer philologietheoretischen Reflexion auszuloten und vice versa eine Verortung des philologischen Lesens im Feld der Theorie der Materialität vorzunehmen.

Die Philologie muss bei ihrer Arbeit sowohl die Materialität des Textes (die sich einerseits aus der physis der einzelnen Zeichen und andererseits aus der extensorischen Bewegung ihrer Verwebung ergibt) als auch sein semantisches Potenzial im Blick behalten. Ihre Aufgabe besteht darin, den Punkt zu bestimmen, an dem die einfache Abfolge der Zeichen zum Text als einem geordneten Gefüge umschlägt. Sie hält gewissermaßen den Moment fest, da die einfache Reihung der Dinge zur Ordnung drängt oder, temporal gefasst, das bloße Aufeinanderfolgen in der Dauer zur Zeit gerinnt.

Indem die Philologie das fokussiert, was zwar schon jenseits der bloß materiellen Dimension des Textes, aber noch diesseits seiner Bedeutung liegt, ohne dabei aber beide Horizonte jemals aus dem Blick zu verlieren, kann sie zur Lösung dessen beitragen, was bisher das zentrale Problem des Materialitätskonzepts darstellt, nämlich die Vermittlung von Sinnlichem und Sinn.