AG 7 Netzwerke

Ansprechpartner: Michael Ott

Ausgangspunkt der Arbeitsgruppe ist der zweite Punkt der »Zusammenfassung des Forschungsprogramms« im Fortsetzungsantrag. Dort heißt es: »Akteur-Netzwerke: Die Identifizierung und Rekonstruktion von Netzwerken wird vorangetrieben. Besondere Berücksichtigung erfährt, dass oft mehrere menschliche Akteure ›arbeitsteilig‹ verschiedene Praktiken vollziehen und schrifttragende Artefakte selbst Aktanten in Netzwerken sind.« An dieser ist der Netzwerkbegriff allerdings nicht näher bestimmt. Hierzu passt auch, dass es in MTK 1 keinen allgemeinen Artikel zu Netzwerken gibt, sondern einen Box-Text zur »Sozialen Netzwerkanalyse« (SNA). Die SNA war denn auch eines der Themen, mit denen sich die Arbeitsgruppe schon näher beschäftigt hat. Ein zweiter Theoriebereich, der im Zusammenhang mit dem Netzwerkbegriff immer wieder genannt wird, ist die »Aktor-Netzwerk-Theorie« (ANT), die oft vor allem anhand der Arbeiten Bruno Latours rezipiert wird. Die ANT war dementsprechend das zweite Thema der Arbeitsgruppe. Durch einen gemeinsamen Blick auf SNA und ANT sollte deutlicher werden, ob – und wenn ja: wie – die Ansätze für unseren SFB sinnvoll sind.

In der ersten Sitzung ging es anhand der Artikel von Ulrich Müller (»Netzwerkanalysen in der Historischen Archäologie«) und Julia Lougovaya (aus MTK1) um Netzwerkanalyse allgemein (also auch um Begrifflichkeiten und Netzwerktypen) und um die SNA als spezielle Form der Netzwerkanalyse. Schon bei dieser Diskussion zeigten sich einige grundlegende Probleme: Unklar ist (a) inwieweit einzelne Teilprojekte über eine analysierbare Datengrundlage verfügen, zumal (b) die in Lobbach Anwesenden in ihren Teilprojekten über keine entsprechenden Daten verfügen. Damit mag zusammenhängen, (c) dass es schwer fiel, sich konkrete Fragestellungen zu überlegen; außerdem fehlte in der Diskussion (d) Expertenwissen, insbesondere (e) das Wissen von jemandem, der/die bereits einmal eine SNA durchgeführt hat. Eine Frage, die in der Diskussion aufgetaucht ist, scheint auf jeden Fall lohnenswert für die weitere Diskussion, nämlich die Frage, ob denn eine »Materiale Netzwerkanalyse« möglich sei, bei der nicht menschliche Akteure, sondern Dinge (oder: Menschen und Dinge) im Vordergrund stehen. Diese Frage wurde in der letzten Sitzung anhand der Heidelberger »Epigraphischen Datenbank« diskutiert, die Frank Grieshaber nebst einer statistischen Auswertung der Bestände vorstellte.

In der zweiten Sitzung stand die ANT im Vordergrund. Dabei stellte sich in der Diskussion heraus, dass aus dem Theorienkomplex der ANT vor allem die Auflösung der Subjekt-Objekt-Differenz für den SFB interessant und relevant sein dürfte – und es ist wohl diese Differenz, die gemeint ist, wenn im SFB (meist unspezifisch) von der ANT die Rede ist. Um genauer zu verstehen, wie insbesondere Latour mit der Auflösung der Subjekt-Objekt-Differenz umgeht, wurde vorgeschlagen, sich mit der Metasprache der ANT zu beschäftigen; dies ist für die kommende Sitzung geplant. Im Anschluss daran würden wir die Diskussion speziell zur ANT abschließen wollen.

Protokoll zum Arbeitstreffen des SFB 933 (Mai 2016), auf dem die ersten Ergebnisse der AG 7 zur ANT diskutiert wurden:

http://www.materiale-textkulturen.de/dokumente/SFB933_000116_2017_Bericht_Latour.pdf