AG 4 Materialität und Memoria

Ansprechpartnerin: Evelien Roels

Der SFB hat sich in seiner ersten Förderperiode vor allem mit räumlichen Aspekten der Präsenz von Schrift beschäftigt. Die Arbeitsgruppe möchte nun zur Reflexion über die zeitliche Dimension der Materialität von Schrift einladen. Dabei sollen beschriftete Artefakte und deren Bedeutung als Träger von memoria im Mittelpunkt stehen. Uns interessieren Aspekte wie Versuche, Zeit zu transzendieren, die Vergänglichkeit von Schriftträgern, die komplexe Interaktion/Beziehungsgeflecht zwischen Mensch, Artefakt, Schrift und Zeit. Ziel ist es, einen Dialog zwischen Projekten herzustellen, die sich auf verschiedene Zeiten und Fragestellungen konzentrieren.

In Auseinandersetzung mit Jan Assmann und seinem Konzept des kulturellen Gedächtnisses haben wir eine vorläufige Typolgie erdacht, die die gedächtnisgeschichtliche Dimensionen schrifttragender Artefakte in den Blick nimmt. Assmann unterscheidet vier „Außendimensionen des Gedächtnisses“, von denen eine – nämlich diejenige des „Gedächtnisses der Dinge“ – auf den ersten Blick besonders relevant für unsere Fragestellungen erscheint. Jedoch konzentriert er sich stark auf Dinge in ihrer Rolle als alltägliche Instrumente, wobei Schrift und beschriftete Artefakte in dieser Kategorie keine Erwähnung finden. In diesem Zusammenhang spricht er auch von einem "Zeitindex" der Dinge, "der mit der Gegenwart zugleich auch auf verschiedene Vergangenheitsschichten deutet“ (Assmann, Das kulturelle Gedächtnis, 20). Dieser Zeitindex erschließt sich allerdings rein retrospektiv; für die gedächtnisgeschichtliche Analyse interessiert uns ebenso die prospektive Indizierung.