AG 2 Materiale Umbruchsituationen

Ansprechpartnerin: Friederike Elias

Die Arbeitsgruppe hat es sich zum Ziel gesetzt „Materiale Umbruchsituationen“ in einer vergleichenden Perspektive an ausgesuchten Beispielen zu untersuchen. Als eine erste Arbeitsdefinition begreifen wir „Materiale Umbruchsituationen“ als das Auftreten und/oder Verschwinden von Beschreibstoffen, Technologien und kulturellen Praktiken, die zu einer nachhaltigen und dauerhaften Veränderung (der materialen Präsenz von schrifttragenden Artefakten in der Gesellschaft insgesamt) führen. Ausgehend von der detaillierten Analyse unterschiedlicher Umbrüche sollen so Parameter/ Kriterien für die Analyse definiert und erprobt und in einer langfristigen Perspektive ein gemeinsames Modell für die Erklärung/ das Verständnis von materialen Umbrüchen etabliert werden.

Zunächst konzentrieren wir uns auf die materialen Umbruchsituationen des Verschwindens monumentaler Inschriften im öffentlichen Raum in der Spätantike, den Umbruch von der Handschrift zum gedruckten Buch, unter besonderer Berücksichtigung der frühen hebräischen Bibeldrucke und dem mit der Nutzung von neuen Medien verbundenen Wandel. Diese Perspektive hoffen wir durch weitere Beispiele über den europäischen Raum hinaus zu ergänzen. Auf Basis dieser exemplarischen Fälle soll versucht werden, ein gemeinsames Schema für die Beschreibung der Umbruchsituationen zu entwickeln. Zur Erarbeitung eines Modells haben wir erste gemeinsame Kriterien entwickelt, die wir bezüglich der Umbrüche genauer betrachten werden: Materialität, Praktiken, Akteure, Raum, Gründe, Folgen und Metatexte. Die exemplarische Analyse der materialen Umbruchsituationen erfolgt auf der Basis ungleicher Überlieferungssituationen und in sehr unterschiedlichen Feldern der Schriftlichkeit – beide Aspekte müssen in die Analyse der Umbrüche einbezogen werden.