AG 11 Vergesellschaftete Schriften

Ansprechpartnerin: Ulrike Ehmig

In allen vormodernen Kulturen trifft man auf das Phänomen, dass Texte verschiedener Inhalte, Schriften, Sprachen oder Hände auf ein und dasselbe Artefakt – gleich ob Tontafel, Tierhaut, Bambusschriftrolle, Marmorstele, Papierbahn, Papyrus, Seidentuch oder Wandfresko – geschrieben wurden. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass Schriftträger in speziellen, bisweilen geschlossenen archäologischen Befunden vergesellschaftet sind. Des Weiteren kann ein identischer Text aber auch auf unterschiedlichen Medien über die Grenzen von Artefakten, Befunden und Beschreibstoffen hinweg auftreten, womit er die Verklammerung verschiedener Artefakte, ihrer Kontexte und Materialitäten bewirkt.

Die bisher zusammengetragenen Beispiele für die skizzierten Arten vergesellschafteter Schriften stammen aus dem Alten Ägypten, dem klassischen China und der griechisch-römischen Antike. Gleichwohl kennt das Phänomen weder räumliche noch zeitliche Grenzen. Es lässt sich beobachten, dass die miteinander vergesellschafteten Inhalte und Schriftträger häufig in keiner unmittelbaren oder gar zwingenden Beziehung zueinander stehen, womit ihre Vergesellschaftung verschiedene Konzeptionen von Schriftlichkeit und Textproduktion, Konzipienten und Schreiber, Gleichzeitigkeit und Abfolge, Mitteilung und Medium impliziert.

Die AG verfolgt das Ziel, diesen Konzeptionen nachzuspüren und die verschiedenen Arten vergesellschafteter Schriften auf ihre möglichen Bedingungen und gegenseitigen Auswirkungen hin zu überprüfen. Die Varianz der Wechselbeziehungen und das Spektrum ihrer Hintergründe sollen mittels räumlich wie zeitlich möglichst breit gestreuter Fallbeispiele ausgelotet werden. Die Frage nach übergeordneten Konzeptionen wird durch inter- und transdisziplinäre Diskussionen verfolgt.